Angehörige: begleiten, ohne selbst unterzugehen
Wie du unterstützen kannst, ohne dich aufzugeben – und was in Krisen tatsächlich hilft statt zu eskalieren.
Nahestehende Menschen erleben oft ein Wechselbad aus Nähe, Sorge und Erschöpfung. Hilfreich ist eine Haltung, die zwei Dinge gleichzeitig hält: Ich nehme dein Erleben ernst – und ich habe eigene Grenzen.
Sätze, die helfen
„Das klingt gerade sehr schwer für dich.“
„Ich bin da. Ich muss es nicht lösen.“
„Was würde dir in den nächsten zehn Minuten helfen?“
„Ich bleibe bis 22 Uhr, danach brauche ich Schlaf.“
Sätze, die eskalieren
„Reiß dich zusammen“, „So schlimm ist es doch nicht“, „Andere haben es schwerer“ – solche Sätze entwerten das Erleben und verstärken Anspannung. Auch gut gemeinte Ratschläge im Hochanspannungsmoment gehen ins Leere: Erst regulieren, dann reden.
In der Krise
Ruhige, kurze Sätze. Körperliche Reize anbieten statt Diskussion. Bei Hinweisen auf akute Selbstgefährdung nicht allein lassen, gemeinsam professionelle Hilfe holen – Notruf 112, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117 oder Telefonseelsorge 0800 111 0 111. Absprachen vorher zu treffen, wenn es ruhig ist, entlastet beide Seiten.
Deine eigene Stabilität
Du bist keine Therapeutin und kein Therapeut. Halte eigene Kontakte, Pausen und Schlaf aufrecht, hol dir Austausch in Angehörigengruppen und formuliere klare Grenzen, was du leisten kannst. Verlässliche kleine Unterstützung trägt weiter als grenzenlose, die irgendwann abbricht.