DBT für Depression: Skills gegen Antrieblosigkeit und Leere
Depression macht passiv – und Passivität verstärkt die Depression. DBT-Skills durchbrechen genau diese Spirale.
Bei Depression wirkt fast alles gegen einen: der Körper ist schwer, der Tag erscheint sinnlos, jede Handlung kostet das Doppelte. DBT-Skills sind ursprünglich für Borderline entwickelt – aber besonders das Modul Emotionsregulation eignet sich gut, um den depressiven Kreislauf konkret und kleinteilig zu unterbrechen.
Der depressive Kreislauf
Wenig Energie → wenig Aktivität → wenig Erfolgserlebnisse → mehr Grübeln → weniger Energie. DBT setzt an zwei Stellen an: bei der Aktivität (selbst wenn man nicht „will“) und bei den Gedanken (durch Achtsamkeit, statt sie zu glauben).
Verhaltensaktivierung in Mini-Schritten
Nicht „heute Sport machen“. Sondern: Schuhe anziehen. Vor die Tür gehen. Drei Häuser weit. Punkt. DBT nennt das „kleinste sinnvolle Einheit“. Wichtig: nicht warten, bis du Lust hast. Die Lust kommt nach der Handlung, nicht davor.
Tagesplan mit 3 Mini-Aktivitäten – realistisch, nicht ambitioniert.
Nach jeder Aktivität: 1–10 bewerten („Wie war es?“ und „Wie viel Stolz?“).
Eine angenehme Aktivität pro Tag – auch wenn sie sich erstmal nichts anfühlt.
Entgegengesetztes Handeln
Bei Depression ist der Handlungsimpuls oft: liegen bleiben, absagen, zurückziehen. Entgegengesetztes Handeln heißt: das Gegenteil tun, ganz konkret und körperlich.
Impuls „liegen bleiben“ → aufstehen, Vorhang auf, Gesicht waschen.
Impuls „absagen“ → hingehen, auch nur 30 Minuten.
Impuls „in Schlafanzug bleiben“ → anziehen, als würde dich heute jemand sehen.
Impuls „nichts essen“ → kleine, einfache Mahlzeit.
PLEASE – körperliche Basis
Depression sitzt auch im Körper. PLEASE deckt die Basics ab, ohne die kein Skill richtig wirkt.
P/L: Physische Krankheiten ärztlich behandeln (auch Schilddrüse, Vitamin D, Eisen prüfen lassen).
E: Eat – regelmäßig essen, auch ohne Hunger, auch klein.
A: Avoid – Alkohol/Drogen meiden, sie verstärken Depression nachweislich.
S: Sleep – feste Aufsteh-, nicht Schlafzeit. Aufstehzeit ist steuerbar, Einschlafzeit nicht.
E: Exercise – täglich Bewegung, auch wenn nur 10 Minuten.
Achtsamkeit gegen Grübeln
Grübeln fühlt sich produktiv an, ist aber depressionsverstärkend. Achtsamkeit unterbricht es: Bemerken („ich grüble gerade“), benennen („das ist ein Gedanke, keine Wahrheit“), zurück in die Gegenwart (Atem, Geräusche, Bodenkontakt).
Wann Skills nicht reichen
Bei mittelschwerer bis schwerer Depression, anhaltenden Suizidgedanken, Antriebslosigkeit über Wochen oder Verlust von Hunger/Schlaf gehört die Behandlung in Fachhände – Psychotherapie, ggf. medikamentöse Unterstützung. Skills sind dann Begleitung, nicht Ersatz.